A Beautiful World


Die wüstenähnliche Landschaft des ehemaligen Tagebaus Meuro hat sich ein Berliner Filmteam als Kulisse für einen außergewöhnlichen Kurzspielfilm erwählt. Zwei Tage lang wurde unter erschwerten Bedingungen – zwischen immer wiederkehrenden Regenschauern – für das Filmprojekt «A beautiful world» der türkischen Regisseurin Nergis Usta gedreht. Für den gestrigen Drehtag waren auch Komparsen aus der Senftenberger Region angeheuert worden.

Filmdreh

Bevor die Komparsinnen Renate Wurbs, Peggy Böhme und Julia Gärtner (v.r.n.l.) vor dem «Check Point» in den Filmbus einsteigen, gibt Regisseurin Nergis Usta den drei Frauen einige Hinweise.

Foto: Steffen Rasche

Tief im Tagebau, vor der Nebel verhangenen Weite des einstigen Kohlelochs, taucht wie aus dem Nichts plötzlich eine mannshohe Straßenbarrikade auf. Die holprige Schotterpiste ist von übereinander getürmten Holz- und Eisenteilen versperrt, davor ein grell leuchtendes «Stop» -Schild. Männer in grüner Uniform und mit Stahlhelm springen von ihrem Militär-Jeep und laufen mit gezückten Gewehren auf einen Linienbus zu, der sich dem «Check Point» nähert. Fremd und beunruhigend wirkt die Szene mitten im Niemandsland des Braunkohlelochs. Unverfälscht fängt die Kamera das Geschehen ein, das eine der Schlüsselszenen in Nergis Ustas kurzem Spielfilm «A beautiful world» sein wird. «Darin geht es um zwei Männer, die gemeinsam in einem Bus fahren. Der eine ist auf dem Weg zum Grab seiner Tochter, die bei einem Terroranschlag ums Leben kam, der andere trägt schon die Bombe bei sich, die er in der nächsten Stadt zünden will. Aus Rache dafür, dass seine Mutter durch gegnerische Soldaten ermordet wurde» , erzählt die junge Regisseurin.
Den Konflikt, der sich aus dieser dramatischen Konstellation ergibt, will die Türkin mit ihrem Film aber nicht bewerten. «Wir wollen uns gegen das übliche Schwarz-Weiß-Denken richten. Denn das Böse ist oft nicht vom Guten zu unterscheiden – und umgekehrt» , erklärt sie. Für den Film, der nur ein sehr geringes Budget zur Verfügung hat, arbeiten einige der Darsteller und Freunde der Regisseurin völlig unentgeltlich.

Wüste in Brandenburg
Dass sie bei der Wahl des Drehortes ausgerechnet in einem Lausitzer Tagebau landete, ist kein Zufall. Ihren ersten Gedanken, in Israel zu filmen, hatte Nergis Usta verworfen, als sie im Internet unter den Stichworten «Wüste» und «Brandenburg» auf die Tagebaulandschaft am Fuße der IBA-Terrassen stieß. «Wir wollten eine tote Wüstenlandschaft – ein Niemandsland, das keinen Hinweis darauf gibt, wo auf der Welt sich die Handlung abspielt. Denn wir sehen das als ein Weltthema» , erklärt die Regisseurin. Mit ihrem Kurzfilm will sie eine Berlinale-Teilnahme anvisieren.
Produktionsleiterin Myriam Eichler sieht die Wahl des Drehortes unterdessen sogar als Glücksgriff. «Wir haben hier vor Ort so viel Unterstützung bekommen – von Gastronomen, einer Bäckerei und anderen Menschen. . . Das wäre in einer Großstadt wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen» , erzählt sie begeistert. Das bestätigt auch Szenenbildnerin Meike Urban. Sie hatte sich für die Ausstattung der Filmkulisse schon seit Wochenbeginn auf hiesigen Schrottplätzen umgesehen. «Beim Bauhof Großräschen fanden wir einen herrlich alten, abgeklapperten Bauwagen für unsere Tankstellenszene. Und die Agrargenossenschaft Großräschen brachte uns den Wagen auch noch in den Tagebau – so viel Freundlichkeit und Unterstützung ist schon besonders» , bedankt sich die Szenenbildnerin.
Kurz bevor an diesem Freitag der nächste Regenguss vom Himmel niedergeht, kommen auch die Komparsen zum Zuge. Jene waren von Mitarbeitern des Filmteams noch am Mittwoch in Senftenberg und Umgebung angeworben worden. «Wir saßen abends ein bisschen am See. Und da kam Frau Usta und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, bei den Dreharbeiten mitzumachen» , erzählt Julia Gärnter. Die 27-jährige Dresdnerin macht derzeit gerade mit Ehemann Johannes, dem zweijährigen Söhnchen Luke und Freundin Peggy Böhme im Familienpark in Großkoschen Urlaub. Die drei hatten Lust auf dieses spezielle Urlaubsabenteuer – und so sahen sich die beiden 27-jährigen Frauen unverhofft mit Schultertuch und Einkaufstasche aus der Requisite als Insassen des Filmbusses wieder. Johannes Gärtner wurde dagegen in eine der grünen Militäruniformen gesteckt – ein Soldat am Check Point zu sein, war seine Aufgabe. Ehe die drei vor der Kamera jedoch zum Zuge kommen, vergeht einige Zeit, in denen neue Szenenbilder montiert und Kameraeinstellungen geprobt werden.

Film ist Warten
«Film ist vor allem Warten. Das war mir schon klar. Aber ich bin Rentnerin. Ich habe doch jede Menge Zeit» , sagt Renate Wurbs. Die 69-Jährige aus Lauta war ebenfalls am Mittwoch in Senftenberg als Komparsin geworben worden. «Mir gefällt das Thema des Films. Und außerdem ist es spannend, sowas mal live mitzumachen» , freut sich die Seniorin.
Steffen Schwadt vom IBA-Besucherservice schaut indessen mal kurz am Filmset vorbei. Er hat keine guten Nachrichten zu überbringen. «Für den Nachmittag sind ausgiebige Regengüsse angekündigt» , übermittelt er der Regisseurin. Filmarbeiten im Tagebauloch sind für den IBA-Mitarbeiter nichts Neues. «Dafür melden sich regelmäßig Filmteams an. Manchmal bekommen wir anschließend einige der Aufnahmen zugeschickt. Wenn man diese betrachtet, sieht man auf einmal mit anderen Augen, was man hier täglich hat.

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